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Herbstbilder aus der Areuse-Schlucht

Die herbstliche Farbenpracht der Areuse-Schlucht verwandelt die Landschaft in eine Traumwelt.

Areuse-Schlucht im Herbst - Landschaftsfotografie

Im Herbst erreichen die Sonnenstrahlen die Tiefen der Areuse-Schlucht nur noch an wenigen Stellen. Die Areuse ist jetzt im Reich des Schattens und als Wanderer oder Fotograf tut man gut daran, wenn man die Bekleidung entsprechend auswählt. Auch wer schlechtes Schuhwerk trägt läuft Gefahr auf den glitschigen Steinen der Schlucht auszurutschen.

Ich habe in diesem Foto-Blog schon mehrfach  von der imposanten Areuse-Schlucht berichtet. Meistens besuche ich sie im Frühjahr oder im Frühsommer wenn die frischen Grüntöne überwiegen und das Licht der Sonne die meisten Winkel der Schlucht einmal pro Tag erreicht. Dieses Mal habe ich ein anderes Ziel vor Augen: Ich möchte den goldenen Herbst bei sonnigem Wetter im Schatten fotografieren.

Tipp: Die Herbstsonne im Schatten fotografieren:

Manch eine(r) mag sich jetzt möglicherweise fragen, weshalb und wie zum Kuckuck man die Sonne im Schatten einfangen soll… Die Fangtechnik ist im Prinzip ganz einfach: Ich mache mir zwei reflektierende Quellen zunutze. Die eine davon ist das bunte, herbstliche Blattwerk der Wälder das oben im Hang  in der prallen Sonne steht. Die andere ist das Wasser der Areuse, welches das Licht des Herbstwaldes reflektiert. Dieses goldene Wasser und das kalte Grün der im Schatten stehenden Moose, Farne und weiterer Grünpflanzen, sind meine heutige Spielwiese!

Die Herbstfarben werden durch die kalten Farben der Pflanzen hervorgehoben.
Goldener Schimmer im Flussbett der Areuse

Die Herbstfarben werden durch die kalten Farben der Pflanzen hervorgehoben.

Warum Landschaftsfotografen das Wasser so lieben:

Wasser ist eines der interessantesten „Elemente“ der Natur. Seine Lebendigkeit ist geradezu prädestiniert um sie sich in der Fotografie zunutze zu machen. Manchmal ist es schäumende, weisse Gischt, manchmal spiegelglatte Oberfläche. Manchmal ist es still und tief oder es fliesst langsam oder schnell, kräuselt sich in kleinen Wellen. Immer aber reflektiert das Wasser das Licht seiner Umgebung  – und das fortwährend – stets im Wandel.  Zuweilen zwar gleichförmig, jedoch ohne Wiederholung.

Die Verschlusszeitabhängigkeit des Lichtbilds befähigt uns Fotografen dazu, dieses „Element“ zusätzlich zu formen und zu gestalten. Wir können seine Bewegung mit kurzen Verschlusszeiten einfrieren –  oder eben auch mit sehr langen Belichtungszeiten. Wieviel Zeit im Bild festgehalten wird, formt massgeblich die Gestalt des flüchtigen Zustands.

Sanfte Wellen verzerren das Spiegelbild der Bäume und entfachen ein Herbstfeuer.
Herbstfeuer

Sanfte Wellen verzerren das Spiegelbild der Bäume und entfachen ein Herbstfeuer.

Das flüssige Gold der Areuse-Schlucht

Heute suche ich mir die ruhigeren und schattigen Stellen des Gewässers auf. Die Areuse trägt derzeit eher wenig Wasser mit sich, ganz so wie ich es mir gewünscht habe. Meine Ausrüstung besteht aus einem 24mm, einem 35mm und einem 100-400mm Objektiv. Das Tele ist für Vögel gedacht, es wird  jedoch an diesem Tag im Kamerarucksack bleiben. Das Stativ darf heute natürlich keinesfalls fehlen und zusätzlich kommen je ein 0.6 ND und ein 0.9 ND Neutraldichtefilter zum Einsatz. Sie helfen mir dabei, die Belichtungszeiten zu verlängern. Mit ihnen mache ich das Wasser zu flüssigem Gold…

Zu welcher Uhrzeit fotografiert man im Herbst in der Areuse-Schlucht?

Das kommt ganz darauf an, an welcher Stelle der Schlucht man fotografieren möchte. Grundsätzlich eignen sich im Herbst die Stunden um den Mittag am besten. Um diese Zeit stehen die Herbstwälder  der Areuse-Schlucht auf der Ostseite bis weit hinunter in der Sonne. Ideal also, um die Reflexionen im Gewässer einzufangen. Probleme bereiten eigentlich nur die hell beschienenen Kalkfelsen. Diese werden in den Bildern weiss ausgefressene, überstrahlte Stellen hinterlassen. Der Kontrast vom tiefen Schatten bis zu den hell beschienenen, beinahe weissen Kalkfelsen ist enorm und lässt sich ohne HDR-Technik kaum kontrollieren. Da ich kein Freund von HDR-Bildern bin, lebe ich lieber mit ausgefressenen Stellen im Bild als mit, für meinen Begriff, unnatürlich wirkenden Bildern.

Herbstmotive für Landschaftsfotografen

Es ist wie immer: Am Ende fehlt die Zeit! Motive gibt es in der Areuse-Schlucht zuhauf. So entdeckt meine Frau zum Beispiel einen Eisvogel der vorbeiflitzt. Ich bin während dessen mit dem Stativaufbau beschäftigt und bekomme ihn gar nicht erst zu Gesicht. Schade! Manchmal ist es schwierig sich auf etwas Bestimmtes zu fokussieren, aber ich muss es tun, damit ich am Ende des Tages ein paar brauchbare Bilder mit Nachhause nehmen kann.

Ich konzentriere mich daher ausschliesslich auf die Landschaftsfotografie und ignoriere den Zaunkönig, der mir einmal so nahe kommt, dass er nur noch einige Schritte von mir entfernt ist. Auch wende ich den Kaskaden im Innern der Schlucht den Rücken zu. Es gibt bessere Jahreszeiten um diese zu fotografieren. Mein einziges Augenmerk gilt diesmal den vielschichtigen Spiegelungen in den ruhig fliessenden Gewässern der Schlucht.

Meine Lieblingsstelle in der Schlucht! Das bewegte Wasser wandelt das Landschaftsbild kontinuierlich um.
Ausgang der Areuse-Schlucht

Meine Lieblingsstelle in der Schlucht! Das bewegte Wasser wandelt das Landschaftsbild kontinuierlich um.

Ganz ausgangs der Areuse-Schlucht befindet sich eine meiner Lieblingsstellen. Hier liegen einige Becken in denen das Wasser ganz gemächlich fliesst. Ich beobachte die Bewegungen im Wasser und der sich verändernde Spiegel. Die Wirkung der Spiegelungen kann ich mit den Belichtungszeiten steuern. Mit kurzen Belichtungszeiten erhalte ich knackige Oberflächenstrukturen oder impressionistische Spiegelungen, mit langen Belichtungszeiten glätte ich die Bewegungen und erziele ein Schimmern und subtile Fliessbewegungen auf der Wasseroberfläche.

Anschliessen wandere ich die Areuse-Schlucht empor und halte im mittleren Teil der Schlucht Ausschau nach ruhig fliessenden Stellen mit goldenen Spiegelungen. Das Ziel ist, wie bereits angetönt, diese im Schatten zu fotografieren. Kurz vor dem grossen Wasserfall werde ich schliesslich fündig. Ich klettere über die glitschigen und stark bemoosten Steine die sich im Flussbett befinden. Der Lohn für diese Mühe sind die golden leuchtenden langsam fliessenden Gewässer die in einer Matrix aus kalten Grüntönen ruhen.

Das Spiegelbild der Bäume in einem Becken in der Areuse-Schlucht wird zum pointillistischen Gemälde.
Verwirrende Spiegelungen

Das Spiegelbild der Bäume in einem Becken in der Areuse-Schlucht wird zum pointillistischen Gemälde.

Herbstliche Landschaftsfotografie - Arbeitstechnik an Fliessgewässern:

Um das goldene Gewässer so richtig zum Leuchten und Schillern zu bringen benötige ich hier die bereits erwähnten Neutraldichtefilter. Mit ihnen lassen sich die Belichtungszeiten verlängern. Ich besitze ND-Filter von Lee. Die sind zwar teuer, haben jedoch den Vorteil, dass sie keine Farbstiche erzeugen, was leider nicht auf alle ND Filter zutrifft. Da das Leefilter-System aus Steckfiltern besteht, lassen sie sich ausserdem kombinieren.

Weil sich mein Standort im Schatten befindet, im Hintergrund jedoch auch sonnige Stellen ins Bild mit aufgenommen werden, ist es enorm wichtig, die Bilder im RAW-Format aufzunehmen. Auch das enorme Farbspektrum von kalten Blau-und-Grüntönen bis hin zu feurigen Rot-und-Gelbtönen erfordert zwingend das Arbeiten im RAW-Format. Ich benötige bei der Nachbearbeitung der Bilder auch das letzte Quäntchen an Bildinformation!

Damit die Lichtspitzen nicht ganz ausbrennen, achte ich peinlich genau auf eine möglichst ausgewogene Belichtung der Bilder und halte die ISO-Werte tief. Das wird mir bei der Arbeit am RAW-Konverter ermöglichen, die Tiefen verlustfrei anzuheben.

Um den gewünschten Goldschimmer im Wasser zu erhalten, werden die meisten Bilder zwischen 3 und 16 Sekunden lang belichtet.

Langzeitbelichtungen machen das Wasser der Areuse im Herbst zur Goldgrube.
Goldene Areuse

Langzeitbelichtungen machen das Wasser der Areuse im Herbst zur Goldgrube.

Zusammenfassung

Für Landschaftsfotografen lohnt sich ein Besuch der Areuse-Schlucht im Herbst durchaus. Man findet auch im Herbst eine Vielzahl lohnenswerter und interessanter Motive zum Fotografieren. Das Stativ ist jetzt Pflicht und ein Satz Neutraldichtefilter von grossem Vorteil. Zwar habe ich mich dieses Mal ausschliesslich aufs Fotografieren des Wassers konzentriert, als Naturfotograf wäre ich jedoch noch immer auf eine beachtliche Anzahl von Vögeln und sogar auf einzelne Schmetterlinge gestossen.

Den Wanderern – wenn auch noch immer in grosser Zahl vorhanden – wird es jetzt wohl meistens zu schattig sein. Sonnenhungrige dürften nur für kurze Zeit – und ausschliesslich im oberen Teil der Schlucht – ihren Frieden finden.

Über Adrian Hirsbrunner
Adrian Hirsbrunner ist 1970 geboren und interessiert sich seit seiner Kindheit für die Natur. Seit 2009 setzt er sich intensiv mit Naturfotografie auseinander. Seine ersten Schritte in die Naturfotografie machte er mit dokumentarischen Pflanzenbildern. Heute setzt er sich mit verschiedensten Themen rund um die Natur Europas auseinander. In den letzten unberührten Landschaften dieses Kontinents, findet er seine Motive und seine Inspiration.
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2 Kommentare
  • Hanspeter Kumpfmiller

    Wunderbare Landschaftsmotive! Leider sind Kontrast und besonders Farbsättigung übertrieben, wie es dem heutigen Publikumsgeschmack leider entspricht! Weniger ist hier mehr!!

    Hanspeter Kumpfmiller (Linzer Fotokolleg „Die Schule des Sehens)

  • Adrian Hirsbrunner

    Vielen Dank für Ihre Anregung.
    An der Farbsättigung habe ich nicht wirklich geschraubt..
    Leider sind nicht alle Bildschirme auf die gleiche Farbtemperatur und Helligkeit eingestellt. So kann ich nicht genau beurteilen, wie Sie das auf Ihrem Ausgabegerät sehen.

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