Bienenfresser (Merops apiaster)

Der Europäische Bienenfresser (Merops apiaster) ist die einzige Art der Familie der Bienenfresser, die in Europa brütet. Mit seinem farbenfrohen Gefieder zählt er zu den auffälligsten Vögeln Europas.

Bienenfresser – Doku über einen sozialen Höhlenbrüter

Als ich zum ersten Mal Bienenfresser in freier Natur beobachten konnte, war ich sofort begeistert. Nicht nur ihre schillernde Farbenpracht fasziniert mich, sondern ebenso ihr ausgeprägtes Sozialverhalten. Als Koloniebrüter sind Bienenfresser nur selten allein unterwegs. Frühling und Herbst verbringen sie gemeinsam auf dem Zug, den Sommer in ihren Brutkolonien.

Meine erste Begegnung mit diesen Vögeln hatte ich in Sardinien. In meinem Artikel über die Landschaft und Natur Sardiniens habe ich bereits darüber berichtet. Noch im selben Jahr setzte ich alles daran, die Tiere auch in der Schweiz beobachten zu können. 

Der exotisch anmutende Bienenfresser gehört zu den schönsten Vogelarten der Schweiz.
Die Bienenfresser sind in den letzten Jahren auch in der Schweiz vermehrt zu beobachten

Immer mehr Bienenfresser in der Schweiz – eine Folge des Klimawandels

Bis in die 1990er-Jahre war der Bienenfresser in der Schweiz vor allem als Durchzügler zu beobachten. Inzwischen hat er sich infolge des Klimawandels zu einem regelmässigen Brutvogel entwickelt. Zurzeit liegt der schweizerische Brutvogelbestand bei 200-330 Brutpaaren. Aus den ursprünglichen Hauptkolonien im Wallis und in der Waadt sind mehrere kleinere Nebenkolonien hervorgegangen, die den Gesamtbestand stabilisieren. Mittlerweile gibt es auch in den Kantonen Genf, Neuenburg, Bern, Solothurn und im Rheintal wiederkehrende Brutkolonien.

Bienenfresser auf einer Sitzwarte im Wallis.
Bienenfresser auf einer Sitzwarte im Wallis.

Systematik:

  • Klasse: Vögel (Aves)
  • Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
  • Familie: Bienenfresser oder Spinte (Meropidae)
  • Gattung: Merops
  • Art: Bienenfresser (Merops apiaster)
Bienenfresser sind ausserordentlich gesellige Tiere. Sie sind gerne in der Gruppe unterwegs.

Bienenfresser gehören zur Ordnung der Rackenvögel. Die farbenprächtigen Vertreter dieser Gruppe sind vor allem in den Tropen verbreitet. In Europa sind aus dieser Ordnung lediglich der Eisvogel (Alcedo atthis), der Bienenfresser (Merops apiaster) und die Blauracke (Coracias garrulus) vertreten.

Die Familie der Bienenfresser, auch Spinte genannt, umfasst drei Gattungen mit insgesamt 31 Arten. Der Bienenfresser (Merops apiaster) ist die einzige Art, die im Sommerhalbjahr auch in Europa vorkommt. Das Winterhalbjahr verbringen die Vögel in Afrika.

Beschreibung:

Für das farbige Gefieder der Bienenfresser sind sogenannte Schillerfarben verantwortlich.
Die bunten Farben des Gefieders machen den Bienenfresser zu einem unverkennbaren Vogel

Der Bienenfresser gehört zu den farbenprächtigsten Vögeln der europäischen Avifauna. Mit einer Körperlänge von 27 bis 29 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 44 bis 49 Zentimetern ist er etwas grösser als eine Amsel, wirkt jedoch deutlich schlanker. Sein türkisfarbener Bauch- und Brustbereich, der rostrote Rücken, Scheitel, Nacken- und Flügelpartien, das gelbe Kinn sowie die roten Augen mit schwarzer Binde machen ihn unverwechselbar. Weitere Kennzeichen sind die verlängerten mittleren Schwanzfedern, die vor allem bei älteren Tieren ausgeprägt sind, sowie der lange, leicht gebogene Schnabel. Einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus gibt es beim Bienenfresser nicht.

Lebensraum der Bienenfresser:

Bienenfresser besiedeln bevorzugt warme, strukturreiche und halboffene Lebensräume. Ihre Eier legen sie in Bruthöhlen ab, die sie in Steilufer von Flüssen oder in Steilhänge offengelassener Gruben graben. Befinden sich in der näheren Umgebung zudem blütenreiche Brachen, sind die Bedingungen für die Art ideal: Sie bieten ein reiches Angebot an Insekten, die den Vögeln als Nahrung dienen. Ebenso wichtig sind Bäume und Sträucher in der Nähe des Brutplatzes, die als Sitzwarten genutzt werden.

Lebensweise und Verhalten der Bienenfresser

In Mitteleuropa sind Bienenfresser zwischen Ende Mai und Anfang August an ihren Brutplätzen anzutreffen. Nach der Balz graben die Paare zur Eiablage eine ein bis zwei Meter lange Bruthöhle in eine steile Wand aus Lehm, Löss oder anderem lockeren Erdmaterial. Das Anlegen einer solchen Höhle kann bis zu 20 Tage dauern. Die Brutdauer beträgt 20 bis 22 Tage, die Nestlingszeit bis zur Flugfähigkeit rund 20 bis 25 Tage. Danach locken die Eltern ihre Jungen aus der Höhle, wo diese die selbstständige Nahrungssuche erlernen.

Bienenfresser graben zur Brutablage 1-2 Meter tiefe Erdlöcher
Bienenfresser graben zur Brutablage 1-2 Meter tiefe Erdlöcher

Anschliessend verlassen die Vögel das Brutgebiet und ziehen umher, um nahrungsreiche Gebiete aufzusuchen. Dort jagen sie gemeinsam und legen Reserven für den Zug nach Afrika an.

Ab September ziehen die Verbände gemeinsam Richtung Afrika. Wie die Vogelwarte Sempach mithilfe von Multisensor-Loggern gezeigt hat, bleiben die Vögel vom Wegzug nach Südwestafrika bis zum Rückzug nach Europa fast die ganze Zeit über in ihren Gruppen zusammen.

Wovon ernährt sich der Bienenfresser?

Bienenfresser ernähren sich vor allem von Hautflüglern wie Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen. Doch auch Schmetterlinge, Libellen, Käfer, Zikaden und andere Insekten stehen auf ihrem Speiseplan. Als geschickte Jäger erbeuten sie ihre Nahrung ausschliesslich im Flug. Auf einer Sitzwarte wird die Beute anschliessend durch Schläge gegen eine feste Unterlage getötet und durch Kneten sowie Wenden von dem Gift in der Giftdrüse befreit. Dabei werfen die Vögel stechende Insekten mehrfach in die Luft und fangen sie wieder auf. Dieses Vorgehen setzen sie gezielt nur bei wehrhaften Beutetieren ein. Bienenfresser erkennen Insekten mit Stachel zuverlässig und können sie sogar von harmlosen Schwebefliegen unterscheiden, die aufgrund ihres wespenähnlichen Aussehens von vielen anderen Jägern gemieden werden.

Der Bienenfresser reibt seine Beute an einem Ast. Dadurch entleert sich die Giftdrüse des Insekts.
Der Bienenfresser reibt seine Beute an einem Ast. Dadurch entleert sich die Giftdrüse des Insekts.
Dabei werden Stechinsekten mehrfach in die Luft geworfen um sie im Schnabel richtig zu positionieren
Dabei werden Stechinsekten mehrfach in die Luft geworfen um sie im Schnabel richtig zu positionieren

Bienenfresser sind Flugkünstler!

Das Flugbild des Bienenfressers ist unverkennbar. Wie kleine Drachen gleiten die Vögel durch die Luft. Selbst ohne ihre charakteristischen Farben lassen sie sich gut erkennen: Die schlanken, dreieckig wirkenden Silhouetten erinnern entfernt an Schwalben. Dabei sind Bienenfresser äusserst wendig, und ihr segelnder Flug erfordert nur wenige Flügelschläge. Mit hoher Präzision und bemerkenswerter Erfolgsquote erbeuten sie fliegende Insekten..

Fliegender Bienenfresser
Fliegender Bienenfresser
Eine fliegende Gruppe Bienenfresser

Die Stimme des Bienenfressers:

Wer ausserhalb der Brutgebiete nach Bienenfressern sucht, sollte ihre Rufe kennen. Merops apiaster ist als stark sozial gebundene Art ausserordentlich ruffreudig. Vogelstimmen lassen sich schriftlich nur schwer wiedergeben; der häufigste Ruf lässt sich am ehesten als „grüü grüü“ umschreiben. Ausführlich mit Stimme, Lautäusserung und deren Zuordnung haben sich 1980 Alfred Jilka und Josef Ursprung beschäftigt: Link

Stimme des Bienenfressers – Aufzeichner: Jordi Calve, Lizenz: (CC BY-NC-SA 4.0)

Das Balzverhalten der Bienenfresser:

Beim Bienenfresser wählt das Weibchen seinen Partner. Die ruckartigen Balzbewegungen werden von beiden Vögeln in ähnlicher Weise gezeigt. Darauf folgen ritualisierte Schlagbewegungen gegen den Untergrund.

Das Ritual, das zur Paarung führt, beginnt meist mit Unbehagensrufen des Weibchens. Anschliessend füttert das Männchen seine Partnerin wiederholt mit Brautgeschenken. Ist das Weibchen bereit, nimmt es die für die Paarung typische Haltung ein.

Übergabe eines Brautgeschenks
Übergabe eines Brautgeschenks
Nach reichlichen Zuwendungen kommt es zu Paarung
Nach reichlichen Zuwendungen kommt es zur Paarung

Das Sozialverhalten der Bienenfresser in der Brutkolonie:

Wie bereits erwähnt, sind Bienenfresser eng in das soziale Gefüge ihrer Kolonie eingebunden. Allein oder nur zu zweit fühlen sich die Vögel rasch unwohl. Wer eine Brutkolonie länger beobachtet – wie es Naturfotografinnen und Naturfotografen häufig tun –, erhält rasch einen Eindruck von der ausgeprägten Geselligkeit dieser Art.

In den Kolonien, die ich beobachten konnte, stand jeweils ein Baum im Zentrum, der eine gute Rundumsicht bot. Dort hielten sich stets mehrere Tiere auf, manchmal dicht aneinandergedrängt, während ein reges Kommen und Gehen herrschte. Die Vögel sitzen bevorzugt auf denselben Ästen und halten Ausschau nach möglichen Störungen. Nähert sich Gefahr, stossen sie sofort Warnrufe aus, um die Kolonie zu alarmieren.

Auf ihrem Lieblingsbaum halten die Bienenfresser nach Feinden Ausschau und pflegen ihre sozialen Kontakte
Auf ihrem Lieblingsbaum halten die Bienenfresser nach Feinden Ausschau und pflegen ihre sozialen Kontakte

Von Zeit zu Zeit geht ein Ruck durch die Gemeinschaft, und die gesamte Vogelschar dreht gemeinsam einige Runden über dem Brutplatz. Auch das scheint ein Ritual zu sein, das den Zusammenhalt stärkt

Übrigens beteiligen sich auch partnerlose Bienenfresser an der Brutaufzucht, indem sie die Nestlinge mitfüttern.

Prädatoren:

Wie jede Art hat auch der Bienenfresser natürliche Feinde. Werden Bruthöhlen zu nah am Boden angelegt, sind sie für Wiesel oder Füchse leichte Beute. Auch Wildschweine und Ratten können an solchen Brutplätzen Schäden verursachen.

Gefährliche Nachbarschaft. So putzig die beiden jungen Füchse auch sein mögen: Der Fuchsbau befindet sich ausgerechnet in jener Felswand, in der auch die Bienenfresser brüten.

Auch aus der Luft droht dem Bienenfresser Gefahr: Raubvögel wie Falken, Habichte oder Sperber sind durchaus in der Lage, die flinken Flieger zu schlagen. Im vergangenen Jahr wurde ich selbst Zeuge, wie ein Sperber einen Bienenfresser förmlich aus der Luft pflückte. Der Greifvogel hatte aus erhöhter Position den richtigen Moment abgewartet. Als rund 15 Bienenfresser gemeinsam in dieselbe Richtung flogen, stiess er blitzschnell von hinten zu. Das betroffene Tier bemerkte den Angriff offenbar nicht einmal und hatte keine Chance zu entkommen. Meine spontane Befürchtung, der Greifvogel könne sich womöglich auf Bienenfresser spezialisieren und den Bestand dezimieren, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. 

Der Sperber ist ein sehr geschickter Jäger. Hier ergreift er einen unglücklichen Bienenfresser.
Der Sperber ist ein sehr geschickter Jäger. Hier ergreift er einen unglücklichen Bienenfresser in der Luft.
Der erfolgreiche Jäger mit seiner Beute.
Der erfolgreiche Jäger mit seiner Beute.

Der Mensch gefährdet den Bienenfresser vor allem durch die Zerstörung potenzieller Lebensräume. Eine intensive Landwirtschaft mit starkem Einsatz von Herbiziden und Pestiziden dezimiert viele Vogelarten und ihre Nahrungsgrundlage. Gleichzeitig werden jedoch grosse Anstrengungen unternommen, zusätzliche Lebensräume für den Bienenfresser zu schaffen und bestehende Brutplätze zu erhalten.

Auch Ornithologinnen, Ornithologen sowie Fotografinnen und Fotografen können zur Gefahr werden, wenn sie die Fluchtdistanz missachten oder sich den Bruthöhlen zu stark nähern. Umso wichtiger ist ein rücksichtsvoller Umgang mit den sensiblen Brutplätzen. In den bekannten Schweizer Habitaten im Wallis und in der Waadt gibt es genügend Möglichkeiten, Bienenfresser aus respektvoller Distanz zu beobachten und zu fotografieren. Für spektakuläre Nahaufnahmen mag das nicht immer genügen, für dokumentarische Bilder aber allemal.

Naturschutz und Bestandesentwicklung:

Bienenfresser-Paar im Kanton Waadt
Bienenfresser-Paar im Kanton Waadt

Der europäische Bestand des Bienenfressers wird auf 2,8-5,1 Millionen Brutpaare geschätzt. Er wird in Europa als ungefährdet (LC) eingesturft.

In der Schweiz gilt der Bienenfresser gemäss Roter Liste als verletzlich (VU). Er ist weiterhin eine sehr seltene Vogelart; der Bestand ist steigend und lag zwischen 2021-2024 bei 200-330 Brutpaaren.

In Mitteleuropa zählt der Bienenfresser zu den Gewinnern des Klimawandels. Die Art breitet sich seit einigen Jahren zunehmend nach Norden aus. In Deutschland ist der Bestand seit 1990 von nahezu null auf mittlerweile rund 4700-6000 Paare angestiegen und ist dort damit der Vogel mit dem höchsten relativen Bestandeswachstum im 21. Jahrhundert. In Frankreich hingegen sind die Bestände eher rückläufig.

Hinweise und Quellen:

Alle gezeigten Bilder habe ich in der Schweiz aufgenommen. Angaben zu Bestandszahlen und deren Entwicklung sind in der Literatur nicht immer vollständig und teils widersprüchlich. Ich habe mich deshalb bemüht, möglichst verlässliche Quellen heranzuziehen, die ich hier gesammelt aufführe.

  • Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016, Vogelwarte Sempach, ISBN-Nr. 978-3-85949-009-3
  • Deutsche Ornithologische Gesellschaft / Themenheft Bienenfresser
  • Jahresbericht der FG „Bienenfresser“ der DO-G 2019 http://www.do-g.de/fileadmin/FG_Bienenfresser_Jahresbericht_2019.pdf
  • Der Bienenfresser – Der Gewinner des Klimawandels von Michael Weil ISBN-13: 9783751914512
  • Xeno Canto: Vogelstimmen – grosse Sammlung von Tonbeispielen

Weitere Beiträge zur Vogelwelt:

Der Papageientaucher ist ein geschickter Taucher und Fischer. Zur Brutaufzucht kann der Papageientaucher zwischen Zunge und Schnabel zahlreiche Sandaale fixieren und mit der Beute im Schnabel weiterfischen.

Weitere Beiträge zur Vogelwelt findest Du unter dem Schlagwort „Vögel„. Mit einem Klick auf das Bild erreichst Du meinen Beitrag über die Vögel Islands.

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6 Kommentare zu „Bienenfresser (Merops apiaster)“

  1. Superartikel, tolle Fotos!
    Eine Frage: Laut Vogelwarte kommt der Bienenfresser auch am Hochrhein vor (zwischen Eglisau und Aaremündung). Ist das korrekt? Vielen Dank für eine Antwort.

  2. Adrian Hirsbrunner

    Danke für Deinen Kommentar.
    Leider kann ich dazu keine Angaben machen. Ich kenne das Brutgebiet nicht.

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