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Bienenfresser (Merops apiaster)

Der Bienenfresser ist in der Schweiz noch ein seltener Vogel. War er hierzulande in den 90er Jahren noch kaum anzutreffen, gibt es im Wallis und im Waadtland mittlerweile Kolonien.

Die Bienenfresser der Schweiz

Als ich das erste Mal Bienenfresser in der freien Natur beobachten konnte, war ich gleich Feuer und Flamme von diesen exotischen Vögeln. Es ist nicht nur die schillernde Farbenpracht, die mich an dieser Vogelart fasziniert, sondern mindestens ebenso ihr ausgeprägtes soziales Verhalten. Als Koloniebrüter sind Bienenfresser äusserst selten allein unterwegs. Das Frühjahr und den Herbst verbringen sie gemeinsam im Zug – und den Sommer in ihrer Brutkolonie.

Meine erste Begegnung mit diesen Vögeln hatte ich in Sardinien (in meinem Artikel über die Landschaft und Natur Sardiniens habe ich bereits darüber berichtet). Noch im gleichen Jahr habe ich alle Anstrengungen unternommen, um die Tiere auch in der Schweiz beobachten zu können. 

Die Bienenfresser sind in den letzten Jahren auch in der Schweiz vermehrt zu beobachten

Immer mehr Bienenfresser in der Schweiz – eine Folge des Klimawandels

War der Bienenfresser bis zu den 90er Jahren nur auf dem Durchzug zu beobachten, hat er sich in der Schweiz aufgrund der Klimaveränderung mittlerweile zu einem regelmässigen Brutvogel entwickelt. Die Vogelwarte gibt den Bestand mit 53-72 Paaren an, wahrscheinlich liegt er mittlerweile aber bereits bei rund 100 Paaren. Aus den ursprünglichen Hauptkolonien im Wallis und im Waadtland haben sich inzwischen mehrere kleine Nebenkolonien entwickelt, die den Gesamtbestand stabilisieren. Heute gibt es auch im Kanton Genf wiederkehrende Brutkolonien und aus dem Kanton Neuenburg, dem Kanton Aargau und weiteren Kantonen werden neuerdings Brutversuche gemeldet.

Der Lebensraum der Bienenfresser:

Bienenfresser besiedeln bevorzugt warme, strukturreiche, halboffene Lebensräume. Ihre Eier legen sie in Bruthöhlen ab, die in Steilufer von Flüssen oder in Steilhänge offen gelassener Gruben gegraben werden. Sind in der nahen Umgebung zudem blütenreiche Brachen vorhanden, sind die Bedingungen für den Bienenfresser ideal. Sie sind Garant für ein reichhaltiges Angebot an Insekten, die den Vögeln als Nahrung dienen. Ausserdem müssen am Brutort genügend Bäume und Sträucher vorhanden sein. Sie werden von den Vögeln als Sitzwarte benötigt.

In seinem Lebensraum ist der Bienenfresser auf das ausreichende Vorhandensein von Sitzwarten angewiesen.
In seinem Lebensraum ist der Bienenfresser auf das ausreichende Vorhandensein von Sitzwarten angewiesen.

Systematik des Bienenfressers:

  • Klasse: Vögel (Aves)
  • Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
  • Familie: Bienenfresser oder Spinte (Meropidae)
  • Gattung: Merops
  • Art: Bienenfresser (Merops apiaster)

Bienenfresser gehören zur Ordnung der Rackenvögel. Die bunten Vertreter der Rackenartigen sind meist in den Tropen Zuhause. In der Schweiz wird diese Ordnung nur gerade vom Eisvogel und vom Merops apiaster vertreten. Die seltene Blauracke ist ein weiterer Rackenvogel, der in der Schweiz ganz selten auf dem Durchzug beobachtet werden kann.

Die Familie der Bienenfresser (auch Spinte) wird in drei Gattungen und 31 Arten unterteilt. Der Bienenfresser (Merops apiaster) ist dabei der einzige, der im Sommerhalbjahr auch in Europa vorkommt. Das Winterhalbjahr verbringen die Vögel in Afrika.

Beschreibung:

Die bunten Farben des Gefieders machen den Bienenfresser zu einem unverkennbaren Vogel
Die bunten Farben des Gefieders machen den Bienenfresser zu einem unverkennbaren Vogel

Der Bienenfresser ist einer der buntesten Vögel der schweizerischen Avifauna. Mit einer Länge von 27-29cm und einer Spannweite von 44-49cm ist er etwas grösser als eine Amsel. Bienenfresser wiegen zwischen 45-75g und sind damit etwas schlanker als diese. Mit seinem türkisfarbenen Bauch- und Brustbereich, den rostroten Rücken, Scheitel, Nacken- und Flügelpartien, dem gelben Kinn und den roten Augen, die von einer schwarzen Binde umgeben sind, ist er unverwechselbar. Weitere Merkmale sind der auffällige Schwanzspiess, der nur bei älteren Tieren zu beobachten ist, sowie der lange, leicht gebogene Schnabel. Geschlechtsdimorphismus ist bei den Bienenfressern nicht vorhanden.

Lebensweise und Verhalten der Bienenfresser

In der Schweiz sind Bienenfresser zwischen Ende Mai und Anfang August an ihren Brutplätzen anzutreffen. Nach der Balz graben die Paare zur Brutablage eine 1-2 Meter lange Erdhöhle in eine steile Wand aus Lehm, Löss oder Erdboden. Das Errichten der Bruthöhle kann bis zu 20 Tagen dauern. Die Brutdauer beträgt 20-22 Tage, die Nestlingsdauer bis zur Flugfähigkeit ca. 20-25 Tage. Danach werden die Nestlinge von Ihren Eltern aus den Gelegen gelockt und müssen die selbständige Nahrungssuche erlernen.

Bienenfresser graben zur Brutablage 1-2 Meter tiefe Erdlöcher
Bienenfresser graben zur Brutablage 1-2 Meter tiefe Erdlöcher

Anschliessend wird das Brutgebiet verlassen und die Vögel ziehen durch die Gegend und suchen nach nahrungsreicheren Stellen, um gemeinsam zu jagen und Reserven für den Zug nach Afrika anzulegen.

Ab September fliegen die Verbände gemeinsam Richtung Afrika. Wie die Vogelwarte Sempach mittels Multisensor-Loggern herausgefunden hat, bleiben die Vögel fast während der ganzen Zeit vom Wegzug nach Südwestafrika – bis zum Rückzug in die Schweiz – in ihrer Gruppe zusammen.

Wovon ernährt sich der Bienenfresser?

Bienenfresser ernähren sich vor allem von Hautflüglern wie Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen. Aber auch Schmetterlinge, Libellen, sowie Käfer, Zikaden und andere Insekten werden gejagt. Als geschickte Jäger erbeuten sie ihre Nahrung ausschliesslich im Flug. Auf der Sitzwarte wird die Beute anschliessend durch Hiebe auf eine feste Unterlage getötet und mittels Knetens und Wenden vom Gift der Giftdrüse befreit. Dabei wird die Beute mehrfach in die Luft geworfen und wieder aufgefangen. Dieses Prozedere wird nur bei stechenden Insekten durchgeführt. Bienenfresser erkennen Beutetiere mit Stachel problemlos. Sie können sie sogar von Schwebefliegen, die durch ihr wespenartiges Aussehen von vielen anderen Jägern gemieden werden, unterscheiden.

Der Bienenfresser reibt seine Beute an einem Ast. Dadurch entleert sich die Giftdrüse des Insekts.
Der Bienenfresser reibt seine Beute an einem Ast. Dadurch entleert sich die Giftdrüse des Insekts.
Dabei werden Stechinsekten mehrfach in die Luft geworfen um sie im Schnabel richtig zu positionieren
Dabei werden Stechinsekten mehrfach in die Luft geworfen um sie im Schnabel richtig zu positionieren

Bienenfresser sind Flugkünstler!

Das Flugbild dieser Vögel ist unverkennbar. Wie Drachen gleiten sie durch die Lüfte. Um die Bienenfresser in der Luft zu erkennen, braucht man nicht einmal ihre charakteristischen Farben zu sehen. Die dreieckigen Segler haben ein Flugbild das ein bisschen demjenigen der Schwalben gleicht. Dabei sind sie äusserst wendig und ihre Gabe zu segeln erfordert nur spärliche Flügelschläge. Geschickt – und mit einer enormen Erfolgsquote – erbeuten sie fliegende Insekten mühelos.

Fliegender Bienenfresser
Fliegender Bienenfresser

Die Stimme des Bienenfressers:

Wer sich ausserhalb der Brutareale auf die Suche nach Bienenfressern begibt, sollte unbedingt auch seinen Gesang kennen. Der Merops apiaster ist als stark sozial gebundenes Tier ein sehr ruffreudiger Vogel. Vogelstimmen sind bekanntlich in der schriftlichen Sprache eher schwierig zu beschreiben. Ich würde den häufigsten Ruf mal mit „grüü grüü“ umschreiben. Tonbeispiele findet man im Netz jede Menge. Ausgiebig mit der Stimme und deren Zuordnung haben sich 1980 Alfred Jilka und Josef Ursprung beschäftigt: https://www.zobodat.at/pdf/EGRETTA_23_1_0008-0019.pdf

Das Balzverhalten der Bienenfresser:

Bei den Bienenfressern wählt das Weibchen seinen Partner aus. Die ruckartigen Balzbewegungen werden von beiden Partnern in gleicher Weise durchgeführt. Darauf folgen ritualisierte Totschlagbewegungen gegen den Untergrund.

Das Ritual, das zur Paarung führt, beginnt meist mit Unbehagensrufen des Weibchens. Anschliessend wird das Weibchen vom Männchen wiederholt mit Brautgeschenken gefüttert. Ist das Weibchen bereit, nimmt es die zur Paarung auffordernde Stellung ein.

Übergabe eines Brautgeschenks
Übergabe eines Brautgeschenks
Nach reichlichen Zuwendungen kommt es zu Paarung
Nach reichlichen Zuwendungen kommt es zur Paarung

Das Sozialverhalten der Bienenfresser in der Brutkolonie:

Wie bereits erwähnt, sind Bienenfresser stark in den Sozialverbund ihrer Kolonie eingebunden. Sind sie allein, oder nur zu zweit als einzelnes Paar, fühlen sich die Vögel schnell unwohl. Wer eine Brutkolonie länger beobachtet, und das tun wir Naturfotografen ja oft, erhält schnell einen Eindruck über die Geselligkeit dieser Tiere.

In jenen Kolonien, die ich gesehen habe, steht jeweils ein Baum in der Mitte, der eine gute Rundumsicht bietet. Auf ihm halten sich immer mehrere Tiere auf, manchmal dicht aneinandergedrängt, und es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Die Vögel sitzen bevorzugt auf dem gleichen Ast und halten Ausschau nach potenziellen Störungen. Naht Gefahr von einer Seite, werden sofort Warnrufe ausgestossen um die Kollegen zu alarmieren.

Auf ihrem Lieblingsbaum halten die Bienenfresser nach Feinden Ausschau und pflegen ihre sozialen Kontakte
Auf ihrem Lieblingsbaum halten die Bienenfresser nach Feinden Ausschau und pflegen ihre sozialen Kontakte

Von Zeit zu Zeit geht ein Ruck durch die Gemeinschaft, und dann dreht die ganze Vogelschar ein paar gemeinsame Runden über den Brutplatz. Auch das scheint ein Ritual zu sein, das den Zusammenhalt stärkt.

Übrigens tragen partnerlose Bienenfresser auch zur Brutaufzucht bei, indem sie die Nestlinge füttern.

Welche Feinde hat der Bienenfresser?

Wie die Natur so ist; auch Bienenfresser haben ihre Feinde. So sind etwa zu nah am Boden angelegte Bruthöhlen für das Wiesel oder den Fuchs ein gefundenes Fressen. Wildschweine oder Ratten können hier ebenfalls Schaden anrichten.

Auch aus der Luft droht dem Bienenfresser stetig Gefahr: Raubvögel wie Falken, Habichte oder Sperber sind durchaus in der Lage, die flinken Flieger zu erbeuten. Letztes Jahr wurde ich selbst Zeuge davon, wie ein Bienenfresser von einem Sperber förmlich aus der Luft gepflückt wurde: Der Sperber hat ganz einfach aus erhöhter Position den richtigen Zeitpunkt abgewartet. Gerade in dem Moment, als etwa 15 Bienenfresser gemeinsam in die gleiche Richtung geflogen sind, hat er blitzschnell von hinten zugeschlagen. Das unglückliche Opfer bemerkte den Angriff nicht einmal. Es hatte nicht die geringste Chance, dem Angriff des Sperbers zu entkommen. Meine spontane Befürchtung, der Greifvogel könne sich womöglich auf die Bienenfresser spezialisieren und den ganzen Bestand dezimieren, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.  

Raubvögel gehören zu den Feinden des Bienenfressers. Hier wird ein Vogel von einem Sperber erbeutet
Raubvögel gehören zu den Feinden des Bienenfressers. Hier wird ein Vogel von einem Sperber erbeutet

Der Mensch gefährdet den Bienenfresser vor allem durch die Zerstörung seiner potenziellen Habitate. Intensive Landwirtschaft, die mit dem starken Einsatz von Herbiziden und Pestiziden einhergeht, dezimiert beinahe alle Vögel und deren Nahrungsquelle. Auf der anderen Seite werden allerdings grosse Anstrengungen unternommen, zusätzliche Lebensräume für den Bienenfresser zu schaffen und bereits bestehende Brutplätze zu erhalten.

Aber auch Ornithologen und Fotografen, die die Fluchtdistanz der Vögel missachten, oder sich den Bruthöhlen zu stark annähern, sind für die scheuen Tiere eine Gefahr. Darum mein Appell an meine Kollegen: Seid umsichtig und haltet euch von den Brutplätzen fern! In den bekannten Schweizer-Habitaten im Wallis und im Waadtland gibt es genügend Möglichkeiten, die Bienenfresser aus gebührender Distanz zu fotografieren. Damit sind zwar keine formatfüllenden Wandbilder möglich, aber für dokumentarische Aufnahmen reicht es alleweil aus.

Naturschutz und Bestandesentwicklung:

Bienenfresser-Paar im Kanton Waadt
Bienenfresser-Paar im Kanton Waadt

Der europäische Bienenfresser-Bestand wird auf 500‘000 bis 1‘000‘000 Tiere geschätzt. Davon leben nur gerade 42‘000 in Mitteleuropa.

In der Schweiz gilt der Bienenfresser gemäss Roter Liste als stark gefährdet. Er ist eine sehr seltene Vogelart und sein derzeitiger Bestand (2020) wird hierzulande insgesamt bei rund 100 Brutpaaren liegen.

Auf der anderen Seite ist der Bienenfresser in Mitteleuropa ein Gewinner der Klimaveränderung und er breitet sich in den letzten Jahren immer schneller Richtung Norden aus. In Deutschland etwa, ist der Bestand seit 1990 von praktisch null – im Laufe der Jahre exponentiell auf mittlerweile rund 3‘500 Paare angestiegen. Andererseits sind seine Bestände zum Beispiel in Frankreich eher rückläufig.

Schlusswort:

So, das ist mein erster Beitrag, der sich ausschliesslich mit einer einzigen Vogelart beschäftigt. Ich hoffe, er hat Dir gefallen und Du meldest Dich, falls Du irgendwelche Ungereimtheiten entdeckst oder etwas Ergänzendes beitragen kannst.

Meine Bilder habe ich alle in der Schweiz fotografiert. Angaben zu Bestandeszahlen sowie deren Entwicklung sind in der Literatur leider oft unvollständig und zuweilen auch widersprüchlich. Ich habe mich soweit es geht darum bemüht, möglichst zuverlässige Quellen zu verwenden, die ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:

  • Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016, Vogelwarte Sempach, ISBN-Nr. 978-3-85949-009-3
  • Jahresbericht der FG „Bienenfresser“ der DO-G 2019 http://www.do-g.de/fileadmin/FG_Bienenfresser_Jahresbericht_2019.pdf
  • Der Bienenfresser – Der Gewinner des Klimawandels von Michael Weil ISBN-13: 9783751914512

Weitere Beiträge zur Vogelwelt:

Der Papageientaucher ist ein geschickter Taucher und Fischer. Zur Brutaufzucht kann der Papageientaucher zwischen Zunge und Schnabel zahlreiche Sandaale fixieren und mit der Beute im Schnabel weiterfischen.
Weitere Beiträge zur Vogelwelt findest Du unter dem Schlagwort „Vögel„. Mit einem Klick auf das Bild erreichst Du meinen Beitrag über die Vögel Islands.

Über Adrian Hirsbrunner
Adrian Hirsbrunner ist 1970 geboren und interessiert sich seit seiner Kindheit für die Natur. Seit 2009 setzt er sich intensiv mit Naturfotografie auseinander. Seine ersten Schritte in die Naturfotografie machte er mit dokumentarischen Pflanzenbildern. Heute setzt er sich mit verschiedensten Themen rund um die Natur Europas auseinander. In den letzten unberührten Landschaften dieses Kontinents, findet er seine Motive und seine Inspiration.
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