Zwergdommel

Bild einer Zwergdommel (Botaurus minutus) auf einem Schilfhalm

Die Zwergdommel (Botaurus minutus)

Die Zwergdommel (Botaurus minutus) ist die kleinste mitteleuropäische Reiherart und gehört der Gattung der Dommeln an, die in Europa nur mit zwei Arten vertreten ist. 2026 konnte ich die Art am Neuenburgersee, sowie kurze Zeit später im Leukerfeld im Wallis beobachten.

Einleitung

Eigenartige Rufe aus dem Schilf

Ende Mai, als wir ein paar Tage am Nordufer des Neuenburgersees verbringen, vernehme ich nachts den Ruf eines Vogels, den ich nicht einordnen kann: ein dumpfes wru, wru wru, erklingt aus dem Schilf.

«Was mag das wohl sein?», denke ich und höre mir anschliessend Tonbeispiele aller heimischen Eulenarten an. Nein. Da passt nichts.

Am nächsten Morgen mache ich mich um 6 Uhr zu meinem Spaziergang am See auf. Ich liebe diese Morgenspaziergänge am See, wenn die Tierwelt erwacht und noch keine Menschenseele unterwegs ist. Wieder höre ich an zwei Stellen diese geheimnisvollen Rufe aus dem Schilf.

Überraschende Begegnung mit er Zwergdommel am Neuenburgersee

Überraschende Begegnung mit der Zwergdommel

Auf dem Rückweg lässt mich am Seeufer der schrille Schrei eines Eisvogels erstarren und so lasse ich mich an einer günstigen Stelle nieder und warte hoffend, den schillernden Gesellen zu erspähen.

Tatsächlich lässt sich für kurze Zeit ein Eisvogelpaar erblicken, macht sich jedoch alsbald wieder aus dem Staub. So höre ich dem Drosselrohrsänger zu, der auf einem Schilfhalm vor mir sein unermüdliches Lied gackert.

Ich will schon aufbrechen, weil die Eisvögel nichts mehr von mir wissen wollen, als plötzlich ein anderer Vogel meine Aufmerksamkeit auf sich zieht: Ich sehe ihn nur kurz- dicht über dem Schilf segelnd. Er landet – und ich sehe nichts… Meine Neugierde ist geweckt! Keine Ahnung, was das ist. Aber wo steckt es denn? Mit dem Fernglas gelingt es mir schliesslich, sie in ihrer Pfahlstellung zu entdecken: Die Zwergdommel! Jetzt kann ich auch die geheimnisvollen Rufe aus dem Schilf einordnen.

Das Bild dient als Hintergrund für den Text über die Systematik der Zwergdommel

Zwergdommeln – Systematik

Klasse:Vögel (Aves
Ordnung:Pelikanartige (Pelecaniformes)
Familie:Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie:Dommeln (Botaurinae)
Gattung:Dommeln (Botaurus)*
Art:Zwergdommel (Botaurus minutus)

*Die frühere Gattung Ixobrychus (Synonym) wurde mittlerweile aufgehoben und der Gatung Botaurus zugeführt.

Beschreibung:

Grösse und Erscheinungsbild

Mit einer Körperlänge von 33–38 cm und einer Flügelspannweite von 52–58 cm ist die Zwergdommel die kleinste Reiherart Mitteleuropas. Trotz ihrer geringen Grösse wirkt sie durch den kompakten Körperbau und den kräftigen Schnabel unverkennbar reiherartig.

Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen

Auffällig ist der ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus, der sie von vielen anderen Reiherarten unterscheidet:

  • Männchen: Schultern, Rücken und Schwanz sind grünlich-schwarz gefärbt; der Schnabel ist orange.
  • Weibchen: Die Oberseite ist unauffälliger und stärker gesprenkelt; der Schnabel ist gelb.

Weitere Gefiedermerkmale

Beide Geschlechter tragen einen dunklen Scheitel. Der übrige Körper ist überwiegend gelblich-beige gefärbt. Beim Weibchen treten die Sprenkelung und die Längsstreifen am Hals meist deutlicher hervor.

Zwergdommel-Männchen auf einem Schilfhalm
Klettert das Zwergdommel–Männchen auf einen Schilfhalm, befindet es sich nicht mehr in seiner Komfortzone.

Lebensraum

Zwergdommeln leben im Uferbereich von Seen, Teichen und Altläufen. Sie sind auf dichten Schilf- und Rohrkolbenbestand angewiesen und halten sich in der Regel im geschützten Bodenbereich auf.

Lebensweise und Zugverhalten:

Die Brutzeit der Zwergdommel erstreckt sich von Mai bis Juli. Sie baut ihre Nester in seichten, vom Wasser umspülten Röhrichten in der Knickschicht des Schilfs. Gelegentlich gibt es eine zweite Brut. Das Gelege besteht aus 5-6 weissen Eiern, die von beiden Elternteilen, während 17-19 Tagen ausgebrütet werden. Die Küken können das Nest bereits mit 5-6 Tagen vorübergehend verlassen. Mit etwa einem Monat sind sie flugfähig. Ab Mitte August ziehen die Langstreckenzieher in ihr Überwinterungsgebiet nach Afrika und kehren Ende April wieder in ihre Brutgebiete zurück.

Die Zwergdommel ist ein sehr scheuer und unauffälliger Vogel, der nur ungern von seinem sicheren Versteck auffliegt. Bei Gefahr nehmen die Tiere eine Pfahlstellung ein, in der sie sich kaum von ihrer Umgebung unterscheiden lassen und nahezu unauffindbar sind.

Die Ansitzjäger ernähren sich von Fischen, Insekten, Mollusken, Kaulquappen, Fröschen und Würmern, die sie reglos verharrend oder während ihres bedächtigen Gangs durchs Schilf erbeuten.

Verbreitung:

Das Verbreitungsgebiet der Zwergdommeln erstreckt sich über weite Teile Europas bis nach Mittelasien. Die europäische Verbreitung ist lückenhaft mit Verbreitungsschwerpunkt in Osteuropa. Sie fehlen auf den Britischen Inseln in Fennoskandien und in Island als Brutvogel.

Wenn Gefahr droht oder wenn sich die Zwergdommel aus dem geschützten Bereich herauswagt, nimmt sie die Pfahlstellung ein.
Wenn Gefahr droht oder wenn sich die Zwergdommel aus dem geschützten Bereich herauswagt, nimmt sie die Pfahlstellung ein.

Gefährdung und Naturschutz

Aufgrund ihres grossen Verbreitungsgebiets mit einer Gesamtpopulation von 600’000 bis 1.2 Millionen erwachsenen Tieren, ist die Zwergdommel global gesehen noch nicht als gefährdet gelistet.

Die Bestände unterliegen erheblichen Schwankungen, deren Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Als Gründe werden unter anderem Dürren in ihrem afrikanischen Zug- und Überwinterungsgebiet, sowie Lebensraumverluste durch intensivierte Landwirtschaft genannt.

In Mitteleuropa sind die Brutbestände der Zwergdommeln auf ein bedenklich tiefes Niveau gesunken:

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten beziffert den deutschen Brutbestand gegenwärtig auf 210-360 Brutpaare.

Für Österreich werden von BirdLive Österreich 400-600 Brutpaare genannt.

In der Schweiz wird der Brutbestand von der Schweizerischen Vogelwarte (2025) auf 110-240 Brutpaare geschätzt.

Zwergdommeln sind stets gut getarnt. Wenn sie im Schilf sitzten, sind sie kaum von ihrer Umgebung zu unterscheiden.
Zwergdommeln sind stets gut getarnt. Wenn sie im Schilf sitzten, sind sie kaum von ihrer Umgebung zu unterscheiden.

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