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Askja und Herðubreið

Blick vom Víti-Krater auf den See Östjuvatn. Hier befindet sich die jüngste Caldera der Askja.

Durch die Wüste Ódáðahraun zur Askja

Das Vulkansystem des Zentralvulkans Askja gehört mit einer Länge von 120-200km zu den grössten zusammenhängenden vulkanischen Spaltensystemen Islands. Der Zentralvulkan selber besteht aus mindestens drei verschachtelten Calderen die sich auf einer Fläche von  45 km² befinden. In der Mitte der jüngsten Caldera die während der Ausbrüche um 1875 entstanden, befindet sich der 220m tiefe See Östjuvatn.

Das Vulkansystem das sich nördlich des grössten isländischen Gletschers Vatnajökull befindet, gehört zu den aktivsten Regionen Islands. Man vermutet, dass sich die Magmakammer die sich in drei Kilometern Tiefe befindet seit 2007 wieder am Füllen ist. Die zunehmende Erdbebenaktivität in der Region deutet auf einen möglichen bevorstehenden Ausbruch hin.

Im Juli 2016 haben wir die Askja und die sie umgebende Vulkanwüste bereist. Auch heute ist die Reise durch dieses lebensfeindliche Gebiet ein eindrückliches  Abenteuer.

Der Calderasee Östjuvatn gehört mit einer Tiefe von 220m zu den tiefsten Seen Islands.
Der Calderasee Östjuvatn.

Der Calderasee Östjuvatn gehört mit einer Tiefe von 220m zu den tiefsten Seen Islands.

Anreise zur Askja

Nicht immer ist die Anreise zur Askja ganz unproblematisch. Man sollte sich im Vorfeld in jedem Fall über die Witterungsverhältnisse informieren.

Der erste Teil unserer Tour führte uns via F905 und F910 zur Dreki-Hütte,  wo sich auch ein Zeltplatz befindet auf dem wir übernachteten. Die wenigen Furten die auf dieser Strecke zu passieren sind, waren zum Zeitpunkt unserer Reise mit dem Jeep relativ einfach passierbar. Die Piste ist allerdings an manchen Stellen sehr mühsam zu befahren und führt  viele Kilometer weit durch Lavafelder die vielerorts nur im Schritttempo  traversiert werden können. Die scharfkantigen Lavauntergründe erfordern Konzentration und der Reifen zulieb grösste Vorsicht.

Stundenlang fahren wir durch die Vulkanwüste Ódáðahraun.
Auf der F905 Richtung Askja

Stundenlang fahren wir durch die Vulkanwüste Ódáðahraun.

Die Landschaft ist geprägt durch das grösste zusammenhängende  Wüstengebiet Islands. Es ist eine sogenannte edaphische Wüste die nicht infolge von Wassermangel, sondern aufgrund der Bodenbeschaffenheit entstanden ist. Die Basaltwüste scheint schier endlos zu sein und sie ist eintöniger als andere Wüstengebiete Islands. Der markante und erodierte Plateauvulkan Herðubreið ist über weite Distanzen sichtbar und drückt der Landschaft seinen Stempel auf.

Die Drachenschlucht (Drekagil)

Wie um das Bedrohliche das von dieser Landschaft ausgeht zu bestätigen, befindet sich hinter der Dreki-Hütte die enge, dunkle, von Basaltgestein umschlossene  Drachenschlucht Drekagil. Ein schmaler Pfad führt durch die schwarzen Wände zum Ende der Schlucht wo sich ein Wasserfall befindet (ca.15 Min.) Meterhoch türmen sich in den Basaltwänden Gesteinsfiguren die wie verwunschene Trolle anmuten. Die Begehung der Drachenschlucht Drekagil ist sehr empfehlenswert, erfordert allerdings Trittsicherheit und gutes Schuhwerk!

Unheimlich, dunkel und eng. Drekagil, die Drachenschlucht, ist ein verwunschener Ort wie aus dem Märchen. Auf beiden Seiten türmen sich versteinerte Drachen und Trolle.
Drekagil - die Drachenschlucht

Unheimlich, dunkel und eng. Drekagil, die Drachenschlucht, ist ein verwunschener Ort wie aus dem Märchen. Auf beiden Seiten türmen sich versteinerte Drachen und Trolle.

Zentralvulkan Askja

Am Folgetag fahren wir über die 7.5km lange F894 zum Zentralvulkan Askja. Die Mondlandschaft auf dieser Strecke ist atemberaubend und sehr eindrücklich. Vom Parkplatz aus beginnt der Fussweg zum märchenhaften See Öskjuvatn.  Aus der dampfenden Erde der Askja Caldera steigen schweflige Gase auf, welche überall Nebelbänke bilden. Manchmal werden wir durch matschige Schneefelder, Wasseransammlungen und aufgeweichten Permafrost dazu genötigt, den markierten Pfad zu verlassen und die mühsamen Stellen zu umgehen. Nach ca. 2.5 km erreichen wir den Kraterrand des Explosionskraters Víti  mit seinem warmen, türkisfarbenen See. Von hier aus haben wir einen schon beinahe verwirrenden Ausblick auf den Caldera-See Östjuvatn,  dessen spiegelglatte Oberfläche die ganze Landschaft und die Nebelbänke im Doppelbild zurückwirft.

Auf dem Weg zu den Kraterseen.
Farbige Gesteine auf der Caldera der Askja

Auf dem Weg zu den Kraterseen.

Verwirrend: der Calderasee Östjuvatn dubliziert die Landschaft hinter dem Víti-Krater.
Der Víti-Krater und der spiegelglatte Östjuvatn

Verwirrend: der Calderasee Östjuvatn dubliziert die Landschaft hinter dem Víti-Krater.

Wer Lust hat und der Sache traut, kann sich im 20-27°C warmen See des Víti-Kraters ein Bad gönnen…

Wir allerdings verzichten auf diesen Spass und steigen zum See Östjuvatn herunter, an dessen Rand wir farbige Sinterungen entdecken. Nach unseren Informationen sollte der Östjuvatn eigentlich ein kalter See sein. Dem ist aber, wie wir bald feststellen nicht wirklich so: Aus den hellblauen Ablagerungen auf dem Grund des Sees entweichen deutlich sichtbar Blasen und als wir die Hände in den See tauchen stellen wir fest, dass das Wasser des Östjuvatn an dieser Stelle wohl beinahe 30°C warm ist. Plötzlich vernehmen wir ein wohl dreissig Sekunden anhaltendes Grollen das sich wie ein Riss fortpflanzt. Daraufhin steigen noch mehr Blasen aus dem Wasser auf. Ein unheimlicher Moment, wie wir finden. Uns wird plötzlich bewusst, dass wir uns hier mitten auf einer riesigen Caldera befinden und dass die Askja auch unberechenbare Gefahren birgt.

Der Östjuvatn mit Nebelbänken. Auf dem Grund des Calderasees sind Sinterungen auszumachen aus denen Blasen aufsteigen.
Östjuvatn Askja

Der Östjuvatn mit Nebelbänken. Auf dem Grund des Calderasees sind Sinterungen auszumachen aus denen Blasen aufsteigen.

Als wir unser Erlebnis etwas später einem Park Ranger erzählen, wird dieser blass im Gesicht und er erzählt uns, dass ein riesiger Erdrutsch,  der hier im Juli 2014 niedergegangen sei, zu mehr als 50m hohen Flutwellen an den Ufern des Öskjuvatn geführt hätte. Das Ereignis hätte sich glücklicherweise um Mitternacht zugetragen und so sei niemand zu Schaden gekommen.

Im 20-27°C warmen See des Víti-Kraters wird gebadet.
Lust auf ein Bad im Víti-Kratersee?

Im 20-27°C warmen See des Víti-Kraters wird gebadet.

Die Oase Herðubreiðarlindir

Nach dem Besuch des Zentralvulkans Askja fahren wir zur ungefähr 40km nordöstlich liegenden Oase Herðubreiðarlindir die sich am Fuss des Tafelvulkans Herðubreið befindet. Die Oase Herðubreiðarlindir nimmt sich wie ein wohltuender grüner Tupfer von der öden Vulkanwüste aus. Ihr Wasser bezieht die Oase vom Fluss Lindaá der am Rand des Ódáðahraun entspringt. Die Vegetation ist hier sehr üppig und am Rand der Gewässer blüht auffällig viel Engelwurz. Sogar eine Orchideenart – die Nördliche Waldhyazinthe – kann man hier finden und  das pinkfarbene Arktische Weidenröschen das ganze Teppiche zu bilden vermag, erfreut nach der Fahrt durch die grauschwarze  Wüste unsere Gemüter.

Die Oase Herðubreiðarlindir ist eine wohltuende Abwechslung in der grauen Wüste.
Herðubreiðarlindir

Die Oase Herðubreiðarlindir ist eine wohltuende Abwechslung in der grauen Wüste.

Diese Kleinorchidee wächst auch in der Oase Herðubreiðarlindir
Die Nördliche Waldhyazinthe

Diese Kleinorchidee wächst auch in der Oase Herðubreiðarlindir.

Auch die Vogelwelt von Herðubreiðarlindir ist bemerkenswert Artenreich. Dreissig Vogelarten wurden in der Oase bisher gezählt. So etwa auch das Odinshühnchen  – was nicht erstaunlich ist – denn Isländischen Mythologien zufolge soll der Gott Odin auf dem benachbarten Tafelvulkan Herðubreið residieren.

Auch das Odinshühnchen fühlt sich in der Oase wohl.
Phalaropus lobatus - Das Odinshühnchen

Auch das Odinshühnchen fühlt sich in der Oase wohl.

Vom Campingplatz Herðubreiðarlindir aus können mehrere kurze Wanderungen unternommen werden.  Wir entscheiden uns dazu den orange markierten Pfad zu nehmen, der zum Zusammenfluss der beiden Flüsse Kreppa und  Jökulsá á Fjöllum führt. Unser Spaziergang wird durch die vielen winzigen Mücken, die in Herðubreiðarlindir gerade ein Fruchtbarkeitsfest zu feiern scheinen und uns ständig ins Gesicht und in die Augen fliegen, massiv erschwert.

Der Goldregenpfeifer ist eine weitere Vogelart die wir in Herðubreiðarlindir entdecken können.
Pluvialis apricaria - Der Goldregenpfeifer

Der Goldregenpfeifer ist eine weitere Vogelart die wir in Herðubreiðarlindir entdecken können.

Da die Biester unerträglich sind, nehmen wir das Nachtessen trotz des schönen Wetters im Auto zu uns… Anschliessend wagen wir uns doch noch für einen kurzen Abendspaziergang zu den Lavaformationen hinaus und geniessen die ins Abendlicht getauchte Herðubreið.

Der Mond und die schräg einfallenden Sonnenstrahlen der Mitternachtssonne.
Letzte Sonnenstrahlen - Herðubreiðarlindir

Die Sommernächte in Island sind ohne Ende. Der Mond und die schräg einfallende Mitternachtssonne sind traumhaft.

Herðubreið, majestätischer Vulkan in der Wüste

Der 1682m hohe Vulkan Herðubreið ist geradezu der Prototyp eines Tafelvulkans.  Der beinahe perfekt kreisrunde Tafelberg ist während eines Ausbruchs in der letzten Eiszeit unter einem 1000m dicken Eispanzer entstanden. Die typische Form bildet sich, wenn ein subglazialer Ausbruch die Eisschicht durchbricht und Lava an die Oberfläche fliesst. Der untere Teil der Herðubreið (deutsch – die Breitschultrige)besteht primär aus Palagonit – einem gelblich-braunen Gesteinsglas dessen Entstehung durch den Kontakt mit der Eisdecke begünstigt wurde.

Der Tafelvulkan Herðubreið von der Oase Herðubreiðarlindir aus betrachtet.
Herðubreið

Der Tafelvulkan Herðubreið von der Oase Herðubreiðarlindir aus betrachtet.

Der Tafelvulkan Herðubreið ist von weither sichtbar.
Herðubreið von der Dreki-Hütte aus

Der Tafelvulkan Herðubreið ist von weither sichtbar.

Für die Rückfahrt nahmen wir schliesslich die F88. Der Zustand dieser Strecke war zum Zeitpunkt unserer Reise um einiges besser als derjenige der  F910/F905 bei der Hinfahrt. Zwar waren hier bei niedrigem Wasserstand (Morgens) zwei grössere Furten zu traversieren, aber sonst birgt die Strecke keine nennenswerten Schwierigkeiten.

Endlose Geröllwüste
Lavawüste Herðubreið

Endlose Geröllwüste

Über Adrian Hirsbrunner
Adrian Hirsbrunner ist 1970 geboren und interessiert sich seit seiner Kindheit für die Natur. Seit 2009 setzt er sich intensiv mit Naturfotografie auseinander. Seine ersten Schritte in die Naturfotografie machte er mit dokumentarischen Pflanzenbildern. Heute setzt er sich mit verschiedensten Themen rund um die Natur Europas auseinander. In den letzten unberührten Landschaften dieses Kontinents, findet er seine Motive und seine Inspiration.
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2 Kommentare
  • Martin Pitsch

    Hallo Adrian,

    regelmäßig und wiederkehrend lese ich in Deinem Blog und erfreue mich an Deinen Reiseberichten – gespickt mit informativen und interessanten Details über den üblichen Tellerrand hinweg – und herrlichen Fotografien.

    So auch bei dem aktuellen Artikel … zu dem ich gerne erfahren möchte, ob ihr nur oder überwiegend zeltend unterwegs gewesen seit.

    Mach weiter so! :-)

    Herzliche Grüße,

    Martin

  • Adrian Hirsbrunner

    Hallo Martin

    Vielen Dank! Es freut mich, dass Du meinen Blog regelmässig besuchst!
    Wir haben ausschliesslich in einem umgebauten Jeep (Mietauto) übernachtet. War sehr unbequem und eng. Diesen Preis haben wir jedoch aufgrund der hierdurch gewonnenen Flexibilität gerne bezahlt…
    Aus Platzgründen haben wir kein Zelt mitgenommen.

    Herzliche Grüsse
    Adrian

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