Hundszahnlilie
Wie so viele andere Frühblüher ist die Hundszahnlilie (auch Hundszahn oder Europäischer Hundszahn genannt), ein Geophyt aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Der wissenschaftliche Name Erythronium dens-canis bezieht sich auf die leicht gekrümmten, zahnförmig zugespitzten Zwiebeln, die der Pflanze als Überdauerungsorgane dienen.
Im Rahmen einer botanischen Frühjahrsexkursion haben wir dieses Jahr den Montagne de Vuache als Ziel ausgewählt, da dieser Berg westlich von Genf für ein bedeutendes Vorkommen von Erythronium dens-canis bekannt ist. Zudem beherbergt das Gebiet weitere floristische Besonderheiten, sodass sich die Exkursion gut mit einem Besuch der Spinnen-Ragwurz im benachbarten Kanton Genf verbinden liess.


Systematik:
Die Gattung Erythronium umfasst je nach taxonomischer Abgrenzung 27 bis 32 Arten, deren Verbreitungsschwerpunkt in den gemässigten Regionen Nordamerikas liegt. Systematisch ist die Gattung eng mit Tulipa L. und Amana verwandt und wird innerhalb der Tribus Tulipeae eingeordnet. Erythronium dens-canis ist dabei der einzige natürlich in Europa vorkommende Vertreter der Gattung.
| Klasse: | Bedecktsamer (Magnoliopsida) Monokotyledonen |
| Ordnung: | Lilienartige (Liliales) |
| Familie: | Liliengewächse (Liliaceae) |
| Unterfamilie: | (Lilioideae) |
| Gattung: | Zahnlilien (Erythronium) |
| Art: | Hunds-Zahnlilie (Erythronium dens-canis) |
Morphologische Beschreibung
Die Hundszahnlilie ist ein ausdauernder Zwiebelgeophyt mit zwei gegenständigen, lanzettlichen, kurz gestielten Laubblättern von 10 bis 15 cm Länge. Die Blätter zeigen typischerweise eine chromgrüne bis türkisfarbene Grundfärbung mit brauner Fleckung. Der Blütenstandsschaft wird 10 bis 20 cm hoch; die Blüten stehen meist einzeln, endständig und nickend. Die sechs Perigonblätter sind an der Basis röhrig genähert, im oberen Bereich abstehend und häufig zurückgekrümmt. Ihre Färbung reicht von Rosa bis Purpur, während die Basis gelblich bis weiss ist. Die Frucht ist eine dreifächrige, lederige und vielsamige Kapsel.
Ökologie und Standortansprüche
Erythronium dens-canis besiedelt humusreiche Karbonatböden und ist damit an kalkhaltige Substrate gebunden. Die Art wächst vor allem in Buchen- und thermophilen Hagebuchenwäldern sowie an Waldrändern und bevorzugt meist lichte Waldstandorte. Am Montagne de Vuache entsprach das beobachtete Vorkommen diesen Standortansprüchen. Im Raum Nantua (Département Ain) konnten jedoch auch ausgedehnte Populationen an vollsonnigen Standorten festgestellt werden.

Die Blütezeit reicht in der Regel von März bis April. Als Bestäuber treten vor allem Bienen und Hummeln auf. Die Samen werden zudem zumindest teilweise durch Ameisen verbreitet (Myrmekochorie).
In der Schweiz kommt die Art in kolliner bis montaner Höhenstufe vor und ist dort zwischen 360 und 900 m ü. M. nachgewiesen. In Italien reicht ihr Höhenvorkommen hingegen bis etwa 1700 m ü. M.
Verbreitung und Schutzstatus
Erythronium dens-canis wird dem eurasiatischen Florenelement zugeordnet. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst Teile Südeuropas und des Balkans und reicht ostwärts bis in den Kaukasus, nach Sibirien und Japan. Die Art kommt unter anderem in Portugal, Spanien, Frankreich und Italien vor, dort südwärts bis Mittelitalien, sowie entlang des Südalpenrandes bis ins Burgenland in Österreich. Weitere Vorkommen bestehen im südöstlichen Ungarn bis nach Nordgriechenland sowie nördlich der Alpen in Tschechien und der Slowakei. In Grossbritannien ist die Art eingebürgert, während sie in Deutschland nicht vorkommt.

In der Schweiz gibt es nur wenige ursprüngliche Vorkommen in den Kantonen Genf und Tessin. Zusätzlich wurde die Art im Kanton Neuenburg sowie im Kanton Waadt lokal angesiedelt.
Gefährdung: In Mitteleuropa ist Erythronium dens-canis insgesamt selten. Am Alpensüdrand ist die Art regional jedoch noch verbreitet und derzeit nicht als gefährdet einzustufen.
CH: Rote Liste, vollständig geschützt; A, (I).
Zwei Wanderungen mit Standorten der Hundszahnlilie:
Zur Hundszahnlilie am Montagne de Vuache
Die Begehung des Vuache erfolgte am 6. April 2026. Zum Zeitpunkt der Erhebung war ein Grossteil der Population bereits über die Hauptblüte hinaus, sodass nur noch wenige blühende Individuen festgestellt wurden. Die Beobachtungen legen nahe, dass der günstigere Erfassungszeitpunkt in diesem Jahr bereits Mitte März lag.
Routenbeschreibung
Höhendifferenz: 665m, Länge: 9.5 Kilometer

Kartendarstellung: © OpenTopoMap
Die Route beginnt beim Parking de la Place du Chêne in Chevrier und folgt dem Chemin de Saint-Victor in Richtung Montagne de Vuache. Der markierte Weg führt steil durch den Wald bis zu einer kleinen Kapelle. Bereits im Aufstieg wurden zahlreiche Individuen der Hundszahnlilie sowie weitere Frühblüher, darunter Narzissen und Muschelblümchen, beobachtet. Ab der Kapelle verläuft die Route über rund drei Kilometer südwärts über den Rücken des Montagne de Vuache bis zum Wegweiser Le Golet du Pey. Von dort führt der Abstieg links in Richtung Vulbens. Nach etwa 400 m zweigt der Weg erneut nach links ab und verläuft weiter bis zu einem Wasserreservoir und anschliessend zum Parkplatz La Cisette. Der Rückweg führt oberhalb des Bauernhofs La Chavanne zurück nach Chevrier.

Auf der Wanderung zum Montagne de Vuache gibt es nicht nur die Hundszahnlilie, sondern auch viele andere interessante Pflanzen zu sehen: oben das in der Schweiz gefährdete Muschelblümchen (Isopyrum thalictroides L.)
Le Tour des Fècles – Hundszahnlilie bei Nantua
Ein Hinweis auf ein noch weitgehend blühendes Vorkommen ergab sich aus einem Gespräch mit einem Paar in unserer Unterkunft.
Auf Grundlage dieses Hinweises wurde am selben Tag ergänzend dieser Exkursionsstandort bei Nantua aufgesucht.
Wegbeschreibung:
Höhendifferenz: 510m, Länge: 8.9km

Kartendarstellung: © OpenTopoMap
Die Route beginnt an der Rue Borgnat 36 in Nantua und folgt dem gelb markierten Chemin des Fècles nordwärts in den Wald. Der Weg steigt zunächst steil nach Osten an. Nach rund zwei Kilometern wird die links abzweigende Route in Richtung Belvédère de la Colonne genommen.
Nach einem weiteren halben Kilometer Anstieg wird eine vollsonnige Wiesenfläche erreicht. Die Vegetation war dort noch von braunem Gras geprägt, was auf eine späte Schneeschmelze hindeutet. Bemerkenswert war das Auftreten von Hunderten blühender Individuen von Erythronium dens-canis unter vollsonnigen Bedingungen.
Von dort verläuft die Route entlang des Chemin des Fècles über die Wiese bis zum Aussichtspunkt Le Fulet. Anschliessend führt der Weg westwärts über den Grat bis zum Belvédère de la Colonne. Entlang dieses Abschnitts wurden zahlreiche weitere Individuen von Erythronium dens-canis beobachtet.
Im weiteren Verlauf folgt die Route dem Grat entlang der gelben Markierungen. Kurz nach Erreichen der Höhe der Grotte des Saints beginnt der Abstieg in Richtung Seeufer, dem anschliessend bis zum Ausgangspunkt gefolgt wird.





