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Kerlingarfjöll

Die Landschaft von Kerlingarfjöll ist einmalig. Das Geothermalgebiet, das rote Gestein und die Gletscher bieten alles, was der Naturfotograf begehrt.

Kerlingarfjöll - Wandern zwischen Gletschern und Vulkanen

Der Gebirgszug Kerlingarfjöll gehört zu den faszinierendsten Landschaften Islands. Das ehemalige Sommerskigebiet, das aufgrund des Klimawandels im Jahr 2000 aufgegeben wurde, gehört heute ausschliesslich den Wanderern. Die Wanderung ins Hochtemperaturgebiet Hveradalir ist interessant und abwechslungsreich – kann aber bisweilen zur Schlammschlacht werden…

Es ist regnerisch und diesig als wir nach stundenlanger Fahrt durch die Wüste endlich das Mountain Resort in Kerlingarfjöll erreichen. Die monotone Fahrt von unserem Ausgansort Blönduós aus und später auf der Kjölurroute, hat uns stärker zugesetzt als uns lieb ist. Regen, Nebel und starker Wind haben aufs Gemüt geschlagen und wir sind froh, als wir uns mit einem Tee aufwärmen können.

Anschliessend beziehen wir in einer der kleinen Hütten unser Quartier. Wir haben nicht viel Zeit zur Verfügung in Kerlingarfjöll und stehen vor der bangen Frage, ob sich das Wetter am nächsten Tag wohl bessern wird.

Obwohl Hveravellir als die grosse Attraktion auf der Anreise von Blönduós nach Kerlingarfjöll gilt, hatten wir das Hochtemperaturgebiet mit seinen Sinterterrassen und den zahlreichen Fumarolen und Solfataren nur ganz kurz besucht: Der Regen und die schwefligen Dampfwolken der Solfatare jagten aufgrund des enormen Windes horizontal über die Landschaft.

Nachdem wir uns in der Hütte installiert haben, machen wir trotz des schlechten Wetters einen Spaziergang zu einem kleinen Hot Pot, der sich im Innern der Schlucht am Fluss befindet. Jetzt beginnt es auch noch zu schneien und wir geniessen die sonderbare Stimmung im warmen Wasser mitten in der Natur. Dank des Wetters bleiben wir die einzigen Badegäste.

Wanderung ins Geothermalgebiet Kerlingarfjöll

Kerlingarfjöll bringt uns mit seiner einmaligen Landschaft zum staunen. Die ockerfarbene Landschaft hält alles bereit, was die Herzen von Wanderern und Fotografen höher schlagen lässt.
Kerlingarfjöll

Kerlingarfjöll bringt uns mit seiner einmaligen Landschaft zum staunen. Die ockerfarbene Landschaft hält alles bereit, was die Herzen von Wanderern und Fotografen höher schlagen lässt.

Da sich die Wetterverhältnisse am nächsten Tag noch immer nicht nennenswert verbessert haben, sehen wir von einer grösseren Tour ab und beschliessen, vom Camp aus ins Geothermalgebiet Kerlingarfjöll zu wandern. Der Pfad ist gut markiert und die Gehzeit hin und zurück beträgt etwa vier bis fünf Stunden. Wer das Geothermalgebiet genauer erkunden möchte, sollte mindestens noch eine bis zwei Stunden dazurechnen.

Zu Beginn wandern wir auf gut begehbarem Terrain entlang des linken Flussufers auf eine Anhöhe empor, von wo aus der Weg weiter sanft ansteigt. Bereits hier bläst uns der Wind erbarmungslos ins Gesicht, so als wolle er die karge Landschaft kommentieren. Die ockerfarbene Wüste ist nur spärlich mit Moosen überwachsen und erinnert uns an Landmannalaugar.

Wenig später beginnt der Aufstieg ins Geothermalgebiet. Der Pfad führt erst an einem kleinen Bächlein entlang, anschliessend traversieren wir Schneefelder, welche die farbige Rhyolithlandschaft kontrastieren. Der Pfad ist hier mühsam und wir müssen aufgrund der aufgeweichten Sedimentschicht immer wieder kleine Umwege in Kauf nehmen. Ferner machen uns starke Windböen, welche von Nieselregen begleitet sind, zu schaffen.

Fumarolen, Springquellen, Schlammtöpfe und Solfatare

Zahllose zischende Fumarolen qualmen am Wegrand und erfüllen die Luft mit beissendem Gestank.
Qualmende Fumarole

Zahllose zischende Fumarolen qualmen am Wegrand und erfüllen die Luft mit beissendem Gestank.

Endlich öffnet sich das kleine Tal und wir wandern über eine Krete ins Geothermalgebiet Kerlingarfjöll. Überall liegen pechschwarze, glänzende Obsidianknollen herum und der beissende Geruch nach Schwefel und faulen Eiern steigt uns in die Nase. Der dichte Qualm aus unzähligen zischenden Fumarolen streicht in fetten Schwaden über die Vulkanlandschaft.

Der Anblick der Landschaft ist umwerfend und bedrohlich zugleich. Das ockerfarbene Rhyolithgestein wird jetzt zusätzlich vom Eis der bläulich schimmernden Gletscherzungen kontrapunktiert. Rauchende Sinterfelsen leuchten bisweilen in gelben und blauen Farben, währenddessen auf den wenigen Flecken auf denen sich das Leben eine vorübergehende Bleibe erkämpft hat, olive – und hellgrün oszillierende Moosschichten leuchten.

Sinterfelsen mit Solfataren verleihen der Landschaft von Kerlingarfjöll einen bunten Anstrich.
Farbige Sinterungen

Sinterfelsen mit Solfataren verleihen der Landschaft von Kerlingarfjöll einen bunten Anstrich.

Der Weg wird jetzt immer beschwerlicher. Wir können uns beinahe mit unserem ganzen Gewicht in die Windböen legen und zwischenzeitlich peitschen uns kurze Regenschauer waagrecht ins Gesicht. Zusätzlich macht uns der Untergrund zunehmend zu schaffen: An vielen Stellen ist der Permafrost aufgetaut und wir versinken mit unserem Schuhwerk über weite Strecken bei jedem Schritt komplett im aufgeweichten Boden. Der Sedimentschlamm haftet wie Fischkleister an ihnen, so dass wir immer wieder dazu genötigt sind, die Schuhsolen vom Schlick zu befreien. Andererseits ist auf jenen Wegabschnitten, wo der Permafrost nicht aufgetaut ist, höchste Vorsicht geboten: Hier ist das Gelände mit einer dünnen Eisschicht überzogen, so dass wir mit verschmutzten Schuhprofilen in Hanglagen keinen Zentimeter vorwärtskommen, ohne die Hände zu Hilfe zu nehmen.

Hveradalir – das Zentrum des Hochtemperaturgebiets

Im Zentrum des Geothermalgebiets blubbert und zischt es in jeder Ecke. Überall köcheln Schlammtöpfe vor sich hin, so dass wir eine Pause einlegen, um uns das Ganze genauer anzusehen. Da diese Stelle auch über eine Schotterpiste erreichbar ist, sind die Pfade in Hveradalir besser ausgelegt und wir können uns etwas erholen. Hier irren auch ein paar Besucher mit konsternierten Gesichtern herum. Ihren Schuhen zufolge, haben sie das Gelände offenbar etwas unterschätzt…

In Hveradalir köcheln Schlammtöpfe munter vor sich hin.
Schlammtopf

In Hveradalir köcheln Schlammtöpfe munter vor sich hin.

Anschliessend erklimmen wir einen schmalen Pfad, der zu einer Gletscherzunge führt. Hier sind wir wieder auf uns alleine gestellt. Obwohl wir nach dem Aufstieg wie zwei Schweine aussehen, hat sich die Mühe absolut gelohnt! Von den lamellenartigen Endungen der Gletscherzunge aus, haben wir einen einzigartigen Ausblick auf das Geothermalgebiet Kerlingarfjöll.

Die lamellenähnliche Textur des Gletschers fasziniert.
Gletscher bei Kerlingarfjöll

Die lamellenähnliche Textur des Gletschers fasziniert.

Den Rückweg zum Camp bewältigen wir zu einem grossen Teil auf der Schotterpiste. Nach der Ankunft ist, nachdem wir uns aufgewärmt haben, erst mal Schuhputzern und Waschen angesagt. Unsere Kleider stehen vor Dreck! Trotz der widerlichen Verhältnisse wird die Landschaft von Kerlingarfjöll immer in unserer Erinnerung bleiben.

An manchen Stellen öffnen sich gespenstische Ausblicke auf das Geothermalgebiet.
Eigenartige Lichtstimmung über Kerlingarfjöll

An manchen Stellen öffnen sich gespenstische Ausblicke auf das Geothermalgebiet.

Begriffserklärungen:

Fumarolen: Als Fumarolen bezeichnet man Dampfaustrittsstellen im Bereich vulkanisch aktiver Gebiete. Die Exhalationen erreichen Temperaturen zwischen 200°C und 800°C. In Begleitung mit Wasserdampf treten oft auch andere vulkanische Gase aus.

Solfatare: Als Solfatare bezeichnet man Gasaustrittsstellen deren hauptsächliche Zusammensetzung aus Wasserdampf, Schwefelwasserstoff und Kohlenwasserstoff besteht. Sie erreichen Temperaturen zwischen 100°C und 250°C.

Schwefelwasserstoff ist, sobald er mit dem Sauerstoff der Luft in Kontakt kommt, unbeständig. Es bildet sich elementarer Schwefel, der sich an den Austrittsstellen ablagert – und Wasser.

Springquellen: Springquellen sind kleine Wasserfontänen die durch das vulkanisch erhitzte Grundwasser unter Überdruck zu Tage treten. Auch Geysire werden zu den Springquellen gezählt.

Über Adrian Hirsbrunner
Adrian Hirsbrunner ist 1970 geboren und interessiert sich seit seiner Kindheit für die Natur. Seit 2009 setzt er sich intensiv mit Naturfotografie auseinander. Seine ersten Schritte in die Naturfotografie machte er mit dokumentarischen Pflanzenbildern. Heute setzt er sich mit verschiedensten Themen rund um die Natur Europas auseinander. In den letzten unberührten Landschaften dieses Kontinents, findet er seine Motive und seine Inspiration.
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